Candice Night interview with the German branch of WWF, July 2006.

Interview mit Candice Night und Ritchie Blackmore

Ritchie & Candice
Auf Deutschland-Tournee: Ritchie Blackmore und Candice Night © A.S.S. Concert & Promotion GmbH

Blackmore’s Night live zu erleben ist schon lange kein Geheimtipp mehr – die erfolgreichen Tourneen der letzten Jahre bestätigen, dass neben der faszinierenden Musik die ausgewählten, schönen und speziellen Spielstätten eine besondere Atmosphäre schaffen, die begeistern! In diesem Jahr spendeten die Künstler Ritchie Blackmore und Candice Night 1 € für jede verkaufte Eintrittskarte der Tournee „The Village Lanterne Acoustic Electric Castle Tour 2006" an den WWF.

Welches Tier fasziniert Sie am meisten – und warum?
Ich muss ganz ehrlich sein und sagen, dass sie mich alle aus unterschiedlichen Gründen faszinieren. Ich habe mich schon immer zu Tieren hingezogen gefühlt, und zwar zu allen Tierarten. Ich habe eine unglaubliche, unerklärliche Beziehung zu ihnen. Meine Katzen und ich haben diese erstaunliche psychische Beziehung, ich brauche nur an sie zu denken und sie kommen zu mir. Tiere strahlen die Spiritualität einer anderen Welt aus. Ich glaube, dass sie viel weiter entwickelt sind als Menschen, die sich meist von Habgier, Eifersucht und Geld leiten lassen. In meinem Garten hier auf Long Island habe ich das Glück, Rehe, Opposums, Waschbären, Streifenhörnchen, Murmeltiere, Schildkröten, Füchse, Eichhörnchen, Schwäne, Eulen und alle möglichen Arten von Vögeln zu haben – und das nur in meinem Garten! Sie erinnern einen ständig an die natürlichen Elemente – an die einfache Unschuld, aber doch den Instinkt zum Überleben - und an das, was wirklich zählt. Es geht nicht darum, wer ein größeres Haus oder ein schnelleres Auto besitzt. Wir können so viel von den Tieren lernen. Wenn wir sie beobachten, sie respektieren und uns aus sicherer Entfernung an ihnen erfreuen. Jedes Tier, mit dem ich in Kontakt komme, fasziniert mich. Aber ich habe auch ein unglaubliches Gefühl von Ruhe und Nähe und fühle mich geerdet, wenn ich in ihrer Nähe bin. Ich bin ganz verzaubert, wenn ich die Kolibris sehe, die meine Blumen umschweben und ich bin traurig, aber doch voller Hoffnung, wenn ich in die Tierheime und Pflegestellen vor Ort und in der ganzen Welt besuche.

Was mir das Herz bricht ist, dass alle Tiere, über die ich etwas lese, einen gemeinsamen Feind haben, und das ist der Mensch. Der Mensch scheint in dieser Hinsicht ein Widerspruch in sich zu sein. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen, das, was die Natur und die Tiere uns lehren können, akzeptieren und schätzen lernen. Das ist einer der Gründe, warum der WWF so wichtig ist. Er führt eine Untersuchung der verschiedenen Regionen weltweit durch und beurteilt, inwieweit die Tiere dort Schutz und Hilfe brauchen. Von der Zerstörung sind ja nicht nur die Tierarten an sich betroffen, sondern auch die Umgebung, in der sie leben, und wenn ihnen niemand hilft, ist ihr Überleben gefährdet, wenn niemand wirklich etwas tut. Der WWF kümmert sich darum und beeinflusst so nicht nur die Zukunft der Tiere, sondern auch die Zukunft unseres ganzen Planeten - und das nützt uns allen. Es gibt viel zu tun, viel Zerstörung muss gestoppt und hoffentlich wieder rückgängig gemacht werden, aber ich habe ein besseres Gefühl, weil ich weiß, dass der WWF genau an diesen Problemen arbeitet.

Welche Erfahrung in der Natur war für Sie am beeindruckendsten?
Ich mache jeden Tag beeindruckende Erfahrungen in der Natur. Ich glaube es ist sehr wichtig, sich die Zeit zu nehmen und die einfache Magie, die die Natur uns jeden Tag bietet, zu genießen. Aber viele Menschen sind zu beschäftigt, um sie wahrzunehmen. Ein Sonnenuntergang, eine Wiese voller Leuchtkäfer, eine Sternschnuppe, den Wind in meinen Haaren zu spüren, all das weckt meine Lebensgeister wieder, wenn ich von dem Überlebenskampf, den wir tagtäglich führen müssen, müde werde. Wenn man die Natur mit der Verwunderung und dem Staunen eines Kindes betrachten kann, dann ist das ein unglaubliches Gefühl. Die ersten zarten Schneeflocken im Jahr oder zu beobachten, wie die grünen Blätter sich im Herbst golden und rot färben. Wir haben wirklich Zauberhaftes vor Augen.

Ich denke es ist wichtig, dass wir nie vergessen, nach oben zum Himmel zu schauen. Natürlich, wenn man vor dem Grand Canyon steht oder in einer Nacht Millionen von Sterne über der Wüste von Sedona betrachtet, dann ist das überwältigend und man weiß, wie klein der Mensch ist. Aber man muss nicht weit reisen, um beeindruckende Naturerfahrungen zu machen. Man braucht nur in den nächsten Wald, zur nächsten Wiese oder ans Meer zu gehen und in seine Umgebung eintauchen.

Warum unterstützen Sie den WWF?
Ich unterstütze den WWF schon seit vielen Jahren privat. Und ich freue mich wirklich, Einnahmen aus unseren Konzerten in Deutschland in diesem Jahr dem WWF zu spenden, um zu seinem unermüdlichen Engagement beizutragen.

Der WWF ist eine tolle Organisation, die sich dafür einsetzt, unseren Wäldern, unseren Ozeanen und allen darin lebenden Arten zu helfen. Die Menschen haben der Erde schon viel Schaden zugefügt und tun es immer noch. Gemeinsam mit dem WWF können wir versuchen, einigen Schaden zu verhindern und auch die Auswirkungen von bereits entstandenen Umweltschäden umzukehren.

Es nützt nichts, am Frühstückstisch zu sitzen und sich über den Zustand der Welt zu beklagen. Man muss rausgehen und etwas tun und zur Veränderung beitragen. Der WWF tut das weltweit und das mit erstaunlichen Ergebnissen. Es ist eine Ehre, mit einer so großartigen Organisation zusammenarbeiten zu dürfen.

Welches WWF-Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen?
Zurzeit beansprucht die Bedrohung des Orang-Utans auf Borneo meine ganze Aufmerksamkeit. Aber es muss an vielen Orten gekämpft werden, um die Tiere und unseren Planeten zu retten und allen diesen Kämpfen sollte gleiche Bedeutung zugemessen werden, sonst werden die Auswirkungen verheerend sein. Aber um die Zerstörung Borneos aufzuhalten, bleibt nur sehr wenig Zeit. Im Herzen Borneos gibt es ein Wunderland an Flora und Fauna. Innerhalb von nur zehn Jahren hat man in diesem Gebiet über 361 neue Arten entdeckt. Aber aufgrund der Abholzung und der absichtlichen Tötung dieser wunderbaren Tiere gibt es immer weniger sicheren Lebensraum für sie. Ihre Welt wird ganz schnell kleiner und kleiner und sie können nicht entkommen. Wenn nicht schnell etwas geschieht, wird es die Orang-Utans bald nur noch in unserer Erinnerung und als Bilder in Büchern geben und die nächste Generation wird diese schönen, intelligenten Lebewesen nicht mehr erleben. Es muss sichere Schutzgebiete und weite Landstriche geben, um ihren Schutz vor den Kettensägen und der mutwilligen Zerstörung zur Schaffung von Plantagen zu garantieren. Heute existieren nur noch 50 Prozent des großen Urwaldes, den es vor nur 30 Jahren gab. Wenn wir nicht etwas unternehmen, um diese Zerstörung aufzuhalten und helfen, Gebiete zu schützen, dann fürchte ich, dass der Orang-Utan und viele weitere Arten aussterben werden.

Es ist bekannt, dass diese Tiere so intelligent sind, dass sie Werkzeuge wie zum Beispiel Blätter benutzen, um sich vor Regen zu schützen oder um Wasser zu trinken. Aber sie können nichts gegen den Menschen ausrichten, wenn er sie vernichten will. Der einzige Weg, wie wir Menschen von der Zerstörung abhalten, ist es, andere Menschen auf der Gegenseite zu haben, die für diese Lebewesen und ihren Lebensraum kämpfen. Ich werde immer auf der Seite des WWF, auf der richtigen Seite, stehen, um diese Zerstörung aufzuhalten.

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